Kann der Erblasser die Erbschaft durch ein Vermächtnis wirtschaftlich komplett entwerten?

  • Dem Erblasser steht es frei, seinen Erben mit einem Vermächtnis zu belasten
  • Das Vermächtnis kann die Erbschaft ganz oder zum Teil entwerten
  • Das Pflichtteilsrecht setzt dem Erblasser Grenzen

In Deutschland herrscht Testierfreiheit. Das bedeutet, dass der Erblasser grundsätzlich frei darüber bestimmen kann, was nach seinem Ableben mit seinem Vermögen geschehen soll.

Der Erblasser kann in seinem Testament einen oder auch ein Dutzend Erben benennen.

Ebenso ist es dem Erblasser nicht verwehrt, den von ihm in seinem Testament benannten Erben mit einem Vermächtnis zugunsten einer dritten Person zu belasten. Ist der Erbfall eingetreten, dann hat (in aller Regel) der Erbe das Vermächtnis zu erfüllen.

Mit den Begriffen „Erbe“ und „Vermächtnisnehmer“ verbindet der juristische Laie ein bestimmtes Rangverhältnis. Der Erbe, so die allgemeine Meinung, bekommt mehr als der Vermächtnisnehmer und hat auch eine stärkere Rechtsstellung. Mit dem Begriff des Vermächtnisses wird im Allgemeinen eine betragsmäßig eher niedrige Begünstigung eines Nichtverwandten oder eines karitativen Vereins assoziiert.

Kann das Vermächtnis die Erbschaft aufzehren?

Weithin unbekannt ist, dass ein Vermächtnis betragsmäßig grundsätzlich an keine Schranken gebunden ist und, bei entsprechend eindeutiger Anordnung durch den Erblasser in seinem Testament, wirtschaftlich den Wert der Erbschaft weit übersteigen kann.

Beispiel:

Erblasser ist kinderlos und unverheiratet. Der Nachlass besteht im Wesentlichen aus einer Eigentumswohnung.

Der Erblasser testiert wie folgt:

Meine Alleinerbin wird meine Schwester, Hilde Muster, wohnhaft … .

Ich belaste meine Schwester und alleinige Erbin zu Gunsten meines Freundes Knut Mayr mit einem Vermächtnis. Als Vermächtnis erhält mein Freund Knut Mayr meine Eigentumswohnung in München, Grünwalder Straße 18, eingetragen im Wohnungsgrundbuch von München, Band x Blatt y.

Die in vorgenanntem Beispielsfall eingesetzte Alleinerbin, wird an ihrer Erbschaft wenig Freude haben, hat sie doch den entscheidenden Vermögensgegenstand an den Vermächtnisnehmer herauszugeben.

An der Rechtsstellung der in dem Beispielsfall beteiligten Personen ändert auch die etwas ungewöhnliche Aufteilung des Vermögens nichts. Es existiert keine Vorschrift, die es dem Erblasser verbieten würde, seinen Erben mit einem Vermächtnis zu belasten, der die Erbschaft gegebenenfalls aufzehrt.

Und ebenso wenig entscheidet sich die Rollenverteilung zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer nach der Frage, wer von beiden den größeren Teil vom Kuchen erhält.

Erblasser muss Pflichtteilsrecht beachten

Kreative Erblasser, die das vorstehende Beispiel jetzt als Blaupause verwenden wollen, um ihre gesetzlichen Erben durch die Belastung mit einem namhaften Vermächtnis zugunsten eines Dritten gleichsam kalt zu enterben, müssen immer § 2306 BGB im Auge behalten.

Danach kann ein als Erbe berufener Pflichtteilsberechtigter, der mit einem Vermächtnis (in welcher Höhe auch immer) beschwert ist, jederzeit die Erbschaft ausschlagen und den ihm zustehenden Pflichtteil fordern.

Das gesetzliche Pflichtteilsrecht naher Angehöriger und des Ehegatten kann also nicht durch die Aussetzung von den Nachlass aufzehrenden Vermächtnissen umgangen werden.

Das könnte Sie auch interessieren:
Erbe ausschlagen und Pflichtteil geltend machen - Geht das?
Stellung als Vermächtnisnehmer oder Erbe – Was ist vorzugswürdig?
Was spricht für ein Vermächtnis und gegen eine Erbeinsetzung?
Über 800 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München

Mit Ihrer umsichtigen Hilfe haben wir die Dinge in die richtige Richtung lenken können; entscheidend war dabei vor allem Ihr erstklassiges schriftsätzliches Vorbringen vor dem Nachlassgericht und Ihre zielgerichteten Verhandlungen mit den anderen Parteien zur Beilegung von festgefahrenen Gegensätzen.

G.v.U. aus Feldafing

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Für die erfolgreiche Vertretung in meinem Nachlassverfahren ein herzliches DANKE! Herr Dr. Weißenfels arbeitet äußerst professionell, zielbewusst und prägnant. Hervorheben möchte ich auch die stets freundliche, zuverlässige und zeitnahe Kommunikation. Ich habe mich bei ihm zu jeder Zeit "gut aufgehoben" gefühlt.

K.H. aus Marktsteft

Die Professionalität und überaus kompetente Vorgehensweise von Herrn Dr. Weißenfels haben mir meinen Pflichtteil der Erbschaft ermöglicht. Da ich in Österreich lebe und die Erbschaft aus Deutschland kam, wurde mir von ihm in unkompliziertem Schriftverkehr in kürzester Zeit geholfen.

W.J. aus Wien

Ich habe mich bei Ihnen auch dank Ihrer sehr gründlichen Befassung mit dem Hintergrund meines Anliegens auf Grundlage umfangreicher Briefwechsel und Unterlagen, bei gleichzeitig umsichtigen Vorgehen stets in guten und verantwortungsbewussten Händen gewusst.

A.P. aus Wiesbaden

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht