In Testament eingesetzter Erbe verstirbt vor dem Erblasser – Rücken für den vorverstorbenen Erben jetzt dessen Kinder als Erben nach?

  • Ein testamentarischer Erbe kann vor dem Erblasser versterben
  • Erblasser kann durch die Benennung eines Ersatzerben für diesen Fall vorsorgen
  • Wann können die Kinder des vorverstorbenen Erben als Erben nachrücken?

Wenn man sich dazu durchgerungen hat, seine Erbfolge in einem Testament zu regeln, dann fällt von dem Betroffenen oft eine große Last ab.

Sich mit Fragen zur eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen, ist nahezu jedem Menschen unangenehm.

Hinzu kommt, dass die Unsicherheit bei der Formulierung eines eigenen Testaments bei vielen Betroffenen groß ist.

Der worst case – Ein Erbe verstirbt vor dem Erblasser

Viele sind daher einfach froh, wenn sie die Abfassung ihres letzten Willens hinter sich haben, legen ihr Testament zu den sonstigen wichtigen persönlichen Unterlagen und gehen zur Tagesordnung über.

Bei einer solchen Handhabung passiert es aber immer wieder, dass es der Verfasser des Testaments verabsäumt, sein Testament an aktuelle Entwicklungen anzupassen.

Der „worst case“ tritt in diesem Zusammenhang für alle Beteiligten nach dem Eintritt des Erbfalls dann ein, wenn man feststellen muss, dass sich die im Testament angeordnete Erbfolge alleine deswegen nicht umsetzen lässt, weil ein vom Erblasser im Testament benannter Erbe bereits vor dem Erblasser selber verstorben ist.

Verstirbt der Erbe vor dem Erblasser, so sind verschiedene Lösungen denkbar

In solchen Fällen ist die rechtliche Unsicherheit über die Erbfolge oft groß.

Bei einem in einem Testament eingesetzten aber vorverstorbenen Erben sind verschiedene Lösungswege denkbar.

So kann der Erbteil des vorverstorbenen Erben auf andere im Testament benannte Erben übergehen.

Möglich ist je nach Sachverhalt auch, dass der Nachlass nach den Grundsätzen der gesetzlichen Erbfolge verteilt wird.

Die Kinder des vorverstorbenen Erben als mögliche Nachrücker

Schließlich kann man für den Fall, dass der vorverstorbene Erbe selber bereits Kinder hat, auch darüber nachdenken, dass die Kinder des vorverstorbenen Erben an dessen Stelle nachrücken und als Erben eintreten.

Besonders die letztere Konstellation ist immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen.

Dabei hat es der Erblasser selber in der Hand, schon bei Errichtung seines Testaments für Klarheit zu sorgen.

Eine Ersatzerbenbestimmung im Testament verhindert jeden Streit

Jeder Streit erübrigt sich nämlich, wenn der Erblasser bereits bei Abfassung seines Testaments bedenkt, dass ein Erbe vorversterben kann und für diesen Fall eine Ersatzerbenbestimmung in seinem Testament vorsieht.

Hatte der Erblasser also in seinem Testament angeordnet, dass im Falle des Wegfalls eines Erben dessen eigene Abkömmlinge als Ersatzerben an dessen Stelle treten sollen, dann erübrigt sich jeglicher Streit um die Erbfolge.

Bedauerlicherweise enthalten in der Praxis aber nur wenige Testaments eine Ersatzerbenbestimmung.

Eine gesetzliche Auslegungsregel kann helfen

In diesen Fällen kann unter Umständen die folgende gesetzliche Auslegungsregel in § 2069 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) weiterhelfen:

Hat der Erblasser einen seiner Abkömmlinge bedacht und fällt dieser nach der Errichtung des Testaments weg, so ist im Zweifel anzunehmen, dass dessen Abkömmlinge insoweit bedacht sind, als sie bei der gesetzlichen Erbfolge an dessen Stelle treten würden.       

Soweit eine grundsätzlich vorrangige Auslegung des Testaments (Ermittlung des Erblasserwillens) nicht zu einem abweichenden Ergebnis führt, kann man über die Auslegungsregel in § 2069 BGB danach zu einem Erbrecht von Kindern des vorverstorbenen Erben gelangen.

Die Auslegungsregel gilt nur für Abkömmlinge des Erblassers

Voraussetzung für die Anwendbarkeit des § 2069 BGB ist aber immer, dass der Erblasser „einen seiner Abkömmlinge“ (Kinder, Enkel, Urenkel) im Testament als Erben eingesetzt hat.

§ 2069 BGB ist ausdrücklich nicht anwendbar, wenn der vorverstorbene Erbe ein sonstiger Verwandter oder Freund des Erblassers war.

In einem solchen Fall ist nach der Rechtsprechung aber jedenfalls zu untersuchen, „ob in der Einsetzung des Erben zugleich die Kundgabe des Willens gesehen werden kann, die Abkömmlinge des Bedachten zu Ersatzerben zu berufen“ (so z.B. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 30.07.2012, Az. I-3 Wx 247/11).

Wenn es für einen solchen Willen des Erblassers genügend Anhaltspunkte, zum Beispiel durch Zeugenaussagen oder schriftliche Äußerungen des Erblassers, gibt, dann können auch die Kinder von vorverstorbenen Erben ihrerseits als Erben an der Erbschaft teilnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren:
Der Erblasser setzt im Testament einen seiner Abkömmlinge ein und dieser stirbt vor dem Erbfall – Wie ist die Erbfolge?
Der im Testament oder Erbvertrag eingesetzte Erbe verstirbt vor dem Erblasser – Wer wird in diesem Fall Erbe?
Erblasser setzt seine Lebensgefährtin im Testament als Alleinerbin ein – Wer erbt, wenn die Lebensgefährtin vor dem Erblasser verstirbt?
Über 800 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München

Mit Ihrer umsichtigen Hilfe haben wir die Dinge in die richtige Richtung lenken können; entscheidend war dabei vor allem Ihr erstklassiges schriftsätzliches Vorbringen vor dem Nachlassgericht und Ihre zielgerichteten Verhandlungen mit den anderen Parteien zur Beilegung von festgefahrenen Gegensätzen.

G.v.U. aus Feldafing

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Für die erfolgreiche Vertretung in meinem Nachlassverfahren ein herzliches DANKE! Herr Dr. Weißenfels arbeitet äußerst professionell, zielbewusst und prägnant. Hervorheben möchte ich auch die stets freundliche, zuverlässige und zeitnahe Kommunikation. Ich habe mich bei ihm zu jeder Zeit "gut aufgehoben" gefühlt.

K.H. aus Marktsteft

Die Professionalität und überaus kompetente Vorgehensweise von Herrn Dr. Weißenfels haben mir meinen Pflichtteil der Erbschaft ermöglicht. Da ich in Österreich lebe und die Erbschaft aus Deutschland kam, wurde mir von ihm in unkompliziertem Schriftverkehr in kürzester Zeit geholfen.

W.J. aus Wien

Ich habe mich bei Ihnen auch dank Ihrer sehr gründlichen Befassung mit dem Hintergrund meines Anliegens auf Grundlage umfangreicher Briefwechsel und Unterlagen, bei gleichzeitig umsichtigen Vorgehen stets in guten und verantwortungsbewussten Händen gewusst.

A.P. aus Wiesbaden

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht