Der Erbe hat bereits zu Lebzeiten vom Erblasser Zuwendungen erhalten, die sich der Erbe auf seinen Erb- oder Pflichtteil anrechnen lassen soll – Wie geht das?

  • Der Ausgleich und die Anrechung von lebzeitigen Schenkungen im Erbfall ist möglich
  • Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem eine Anrechnung vom Erblasser angeordnet wird
  • Erblasser kann durch ein Testament entsprechende Anordnungen treffen

Oft warten Erblasser nicht auf ihr Ableben, bis sie ihr Vermögen verteilen.

Wenn es die eigene finanzielle Lage erlaubt, unterstützen zukünftige Erblasser vielmehr oft bereits zu Lebzeiten vor allem ihre nächsten Angehörigen.

Gerade Kinder sind immer wieder dankbare Abnehmer von Zuwendungen ihrer Eltern.

Für Geldgeschenke von Eltern an Kinder gibt es viele Anlässe

Egal, ob es sich um die Finanzierung der Ausbildung des Nachwuchses, um einen Zuschuss zu einem Bauvorhaben eines Abkömmlings oder einfach nur um eine finanzielle Aufmerksamkeit anlässlich der Geburt eines Enkelkindes handelt.

Jedes Jahr werden Millionen von Euro von den Eltern auf die Kinder übertragen, ohne dass die Eltern für diese Zuwendung irgendeine Gegenleistung erhalten.

Fast ebenso häufig, wie Geld von den Eltern an die Kinder verschenkt wird, kommt bei den Eltern aber auch der Gedanke auf, dass sich die Kinder das Vermögen, dass sie bereits zu Lebzeiten erhalten, auf ihren Erb- oder Pflichtteil anrechnen lassen sollen.

Mehrere Kinder sollen am Ende alle gleich behandelt werden

Gerade wenn mehrere Kinder vorhanden sind und diese von den Eltern zu Lebzeiten eher ungleich bedacht worden sind, ist der Wunsch der Eltern, hier einen Ausgleich unter den mehreren Kindern herzustellen, durchaus nachvollziehbar.

Wenn die Eltern bei der Umsetzung ihrer Pläne einige Grundregeln beachten, steht einem gerechten Ausgleich von lebzeitigen Zuwendungen unter den Kindern auch nichts im Wege.

Die Eltern müssen grundlegend berücksichtigen, dass ein Ausgleich von lebzeitigen Zuwendungen im Erbfall fast immer voraussetzt, dass der gewünschte Ausgleich zeitlich vor oder spätestens mit der Vornahme der Zuwendung angeordnet wird.

Es gibt keine automatische Anrechnung auf den Erbteil

Hingegen kennt das Gesetz, von Ausnahmen in § 2050 Abs. 1 und 2 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) abgesehen, keine automatische „Anrechnung auf den Erbteil“.

Das Gleiche gilt für eine Anrechnung von lebzeitigen Zuwendungen auf den Pflichtteil.

Nach der Regelung in § 2315 Abs. 1 BGB hat sich ein Pflichtteilsberechtigter nur dann eine lebzeitige Zuwendung auf seinen Pflichtteil anrechnen zu lassen, wenn der Erblasser die Anrechnung vor oder bei der Zuwendung angeordnet hat.

Nachträgliche Anrechnungsbestimmungen sind wirkungslos

In der Praxis durchaus häufiger anzutreffen ist der Fall, dass solche Anrechnungsbestimmungen von Vater oder Mutter erst nachträglich (und oft nach einer Abkühlung des Verhältnisses zu dem konkreten Kind) vorgenommen werden.

Eine solche nachträgliche einseitige Ausgleichungs- oder Anrechnungsanordnung ist allerdings rechtlich grundsätzlich wirkungslos.

Hat es der Erblasser demnach verabsäumt, rechtzeitig mit Vornahme der lebzeitigen Zuwendung eine Ausgleichungs- oder Anrechnungsanordnung vorzunehmen, dann bleibt ihm nur, durch eine testamentarische Anordnung für einen Ausgleich zu sorgen.

Erblasser kann in seinem Testament für einen Ausgleich sorgen

Ein Erblasser kann in seinem Testament z.B. durch die ausdrückliche Anordnung eines Vorausvermächtnisses dafür sorgen, dass ein Abkömmling im Vergleich zu anderen Kindern mehr vom Nachlass erhält und damit lebzeitige Vorempfänge ausgeglichen werden.

Voraussetzung für eine solche (auch nachträgliche) testamentarische Anordnung ist dabei natürlich, dass der Erblasser noch nicht durch einen Erbvertrag oder ein bindendes gemeinsames Testament in seiner Testierfreiheit beschränkt ist.

Ein solches Szenario musste im Jahr 2009 der Bundesgerichtshof entscheiden (BGH, Urteil vom 28.10.2009, Az.: IV ZR 82/08). In dem vom BGH entschiedenen Fall waren die vom Erblasser nachträglich angeordneten Anrechnungsbestimmungen wirkungslos.  

Das könnte Sie auch interessieren:
Eltern schenken ihrem Kind Geld - Was gilt es erbrechtlich zu bedenken?
Wie wirkt sich eine lebzeitige Schenkung der Eltern an ein Kind auf das Erbrecht weiterer Kinder aus?
Anrechnung einer lebzeitigen Zuwendung auf den Pflichtteil gewünscht?
Über 800 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München

Mit Ihrer umsichtigen Hilfe haben wir die Dinge in die richtige Richtung lenken können; entscheidend war dabei vor allem Ihr erstklassiges schriftsätzliches Vorbringen vor dem Nachlassgericht und Ihre zielgerichteten Verhandlungen mit den anderen Parteien zur Beilegung von festgefahrenen Gegensätzen.

G.v.U. aus Feldafing

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Ohne die überaus kompetente, freundliche und unkomplizierte Hilfe von Herrn Dr. Weißenfels hätten wir die Regelung unserer Erbschaft in Deutschland und Österreich nicht hinbekommen. Die ganze Familie dankt Ihnen sehr herzlich und kann Ihre Kanzlei nur weiterempfehlen.

E.N. aus Krailling

Die Professionalität und überaus kompetente Vorgehensweise von Herrn Dr. Weißenfels haben mir meinen Pflichtteil der Erbschaft ermöglicht. Da ich in Österreich lebe und die Erbschaft aus Deutschland kam, wurde mir von ihm in unkompliziertem Schriftverkehr in kürzester Zeit geholfen.

W.J. aus Wien

Ich habe mich bei Ihnen auch dank Ihrer sehr gründlichen Befassung mit dem Hintergrund meines Anliegens auf Grundlage umfangreicher Briefwechsel und Unterlagen, bei gleichzeitig umsichtigen Vorgehen stets in guten und verantwortungsbewussten Händen gewusst.

A.P. aus Wiesbaden

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht