Das Nachlassgericht kann einen Testamentsvollstrecker ernennen

  • Erblasser kann das Gericht ausdrücklich ersuchen, einen Testamentsvollstrecker zu benennen
  • Auch bei Weigerung oder späterem Wegfall eines Testamentsvollstreckers kann das Nachlassgericht tätig werden
  • Entscheidend ist der Wille des Erblassers

Eine Testamentsvollstreckung kann für die Abwicklung einer Erbschaft eine durchaus segensreiche Einrichtung sein.

Wenn der Erblasser bereits zu Lebzeiten erkennt, dass es bei der Verteilung seines Nachlasse gegebenenfalls Probleme geben wird, dann kann ein erfahrener und durchsetzungsstarker Testamentsvollstrecker viel dazu beitragen, dass die Erbschaft so verwaltet und am Ende verteilt wird, wie es sich der Erblasser vorgestellt hat.

Will der Erblasser seinen Nachlass (vorübergehend) in die Hand eines Testamentsvollstreckers legen, dann muss er entsprechende Anordnungen in seinem Testament oder Erbvertrag treffen.

Nachlassgericht benachrichtigt den Testamentsvollstrecker

Tritt der Erbfall ein, dann unterrichtet das Nachlassgericht die vom Erblasser in seinem letzten Willen benannte Person von dem ihm angetragenen Amt.

Nimmt der Testamentsvollstrecker das Amt mit Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht an, dann klinkt sich das Gericht wieder aus und der Testamentsvollstrecker übernimmt die Verantwortung für den Nachlass.

In der Praxis verläuft die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers aber nicht immer so geräuschlos ab.

Die Pläne des Erblassers werden bereits dann durchkreuzt, wenn die im Testament namentlich benannte Person das Amt des Testamentsvollstreckers nicht übernehmen will.

Zuweilen kommt es auch vor, dass der im Testament benannte Testamentsvollstrecker vor dem Erblasser selber verstirbt.

Späterer Wegfall des Testamentsvollstreckers

Noch häufiger treten schließlich Probleme auf, nachdem der Testamentsvollstrecker sein Amt nach dem Erbfall zunächst einmal angetreten hat. Manchmal legt der Vollstrecker sein Amt nämlich nieder, bevor sämtliche Aufgaben erledigt sind. Und manchmal sorgen die Erben durch einen entsprechenden Entlassungsantrag nach § 2227 BGB dafür, dass der Testamentsvollstrecker sein Amt nicht weiter ausüben darf.

Für all diese Störungsfälle kann der Erblasser in seinem Testament vorbauen. Wenn der Erblasser nämlich für den Fall, dass der zunächst benannte Testamentsvollstrecker sein Amt nicht annehmen will oder er später an der Ausübung des Amtes gehindert ist, in seinem Testament einen Ersatzmann benennt, dann hat das Nachlassgericht in aller Regel wenig Probleme, diesen Ersatzmann als  Testamentsvollstrecker einzusetzen.

Erblasser benennt keinen Ersatzmann

Wenn der Erblasser die Benennung eines so genannten Ersatztestamentsvollstreckers in seinem Testament aber unterlassen hat, dann kommt häufig die gesetzliche Vorschrift in § 2200 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zum Einsatz.

Nach § 2200 Abs. 1 BGB gilt folgendes:

Hat der Erblasser in dem Testament das Nachlassgericht ersucht, einen Testamentsvollstrecker zu ernennen, so kann das Nachlassgericht die Ernennung vornehmen.

Die Vorschrift in § 2200 Abs. 1 BGB kommt also ihrem Wortlaut nach dann zum Einsatz, wenn der Erblasser in seinem Testament zwar eine Testamentsvollstreckung einsetzen wollte, aber die Benennung der konkreten Person, die das Amt bekleiden soll, dem Nachlassgericht überlassen hat.

Das Nachlassgericht kann grundsätzlich aber auch immer dann nach § 2200 Abs. 1 BGB tätig werden, wenn der vom Erblasser benannte Testamentsvollstrecker die Übernahme des Amtes ablehnt, er nachträglich kündigt oder vom Gericht entlassen wird.

Der Wille des Erblassers entscheidet

In diesen Fällen prüft das Nachlassgericht, ob ein Wille des Erblassers, einen Ersatzmann bzw. Nachfolger einzusetzen, aus dem vorliegenden Testament des Erblassers abgeleitet werden kann. Oft wird in diesen Fällen von den Gerichten ein „stillschweigendes Ersuchen“ des Erblassers an das Nachlassgericht angenommen, einen Testamentsvollstrecker zu ernennen.

Immer dann, wenn erkennbar ist, dass der Erblasser die Testamentsvollstreckung auch bei Wegfall des ersten Testamentsvollstreckers weiterlaufen lassen wollte, wird das Nachlassgericht einen Ersatztestamentsvollstrecker einsetzen.

Zu prüfen ist dabei immer, ob es dem Erblasser vorrangig um den konkret benannten Testamentsvollstrecker ging oder ob er generell Interesse an einer ordnungsgemäßen Nachlassabwicklung durch einen Testamentsvollstrecker hatte.

Wenn letzteres Interesse überwiegt, kann vom Nachlassgericht ein Ersatzmann eingesetzt werden, auch wenn dies im Testament ausdrücklich so nicht vorgesehen ist.

Das könnte Sie auch interessieren:
Testamentsvollstrecker nimmt Amt nicht an – Muss das Nachlassgericht einen Ersatzmann bestellen?
Streit über die Beendigung einer Testamentsvollstreckung – Was kann der Erbe machen?
Kann ein Testamentsvollstrecker seinen Vergütungsanspruch verlieren?
Über 800 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München

Mit Ihrer umsichtigen Hilfe haben wir die Dinge in die richtige Richtung lenken können; entscheidend war dabei vor allem Ihr erstklassiges schriftsätzliches Vorbringen vor dem Nachlassgericht und Ihre zielgerichteten Verhandlungen mit den anderen Parteien zur Beilegung von festgefahrenen Gegensätzen.

G.v.U. aus Feldafing

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Für die erfolgreiche Vertretung in meinem Nachlassverfahren ein herzliches DANKE! Herr Dr. Weißenfels arbeitet äußerst professionell, zielbewusst und prägnant. Hervorheben möchte ich auch die stets freundliche, zuverlässige und zeitnahe Kommunikation. Ich habe mich bei ihm zu jeder Zeit "gut aufgehoben" gefühlt.

K.H. aus Marktsteft

Die Professionalität und überaus kompetente Vorgehensweise von Herrn Dr. Weißenfels haben mir meinen Pflichtteil der Erbschaft ermöglicht. Da ich in Österreich lebe und die Erbschaft aus Deutschland kam, wurde mir von ihm in unkompliziertem Schriftverkehr in kürzester Zeit geholfen.

W.J. aus Wien

Ich habe mich bei Ihnen auch dank Ihrer sehr gründlichen Befassung mit dem Hintergrund meines Anliegens auf Grundlage umfangreicher Briefwechsel und Unterlagen, bei gleichzeitig umsichtigen Vorgehen stets in guten und verantwortungsbewussten Händen gewusst.

A.P. aus Wiesbaden

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht