Vermögen über Generationen hinweg in der Familie halten – Die mehrfache Nacherbfolge

Wenn sich ein Erblasser daran macht, seine Vermögensnachfolge in einem Testament zu regeln, dann entspricht es häufig dem Wunsch des Erblassers, den Werdegang des eigenen Vermögens für einen möglichst langen Zeitraum und über mehrere Generationen hinweg zu beeinflussen.

Tatsächlich muss sich der Erblasser nicht darauf beschränken, in seinem Testament einen oder mehrere Erben zu benennen und diesen Personen mit seinem Ableben sein komplettes Vermögen zu übergeben.

Vielmehr bietet das deutsche Erbrecht die Möglichkeit, das eigene Vermögen auch über Generationen hinweg zu vermachen. Der Erblasser hat danach die Möglichkeit, in seinem Testament anzuordnen, dass sein komplettes Vermögen im Erbfall zunächst an eine Person A fallen soll. Gleichzeitig legt der Erblasser aber in seinem Testament fest, dass die Person A das Erblasservermögen nicht auf Dauer behalten darf. Vielmehr kann der Erblasser bestimmen, dass der komplette Nachlass zu einem von ihm zu definierenden Zeitpunkt von der Person A an eine Person B zu übergeben ist.

Familienerbfolge durch Vor- und Nacherbschaft regeln

Die rechtliche Konstruktion, die sich hinter einer solchen Bestimmung eines Erblassers verbirgt, nennt sich „Vor- und Nacherbschaft“ und ist in § 2100 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Danach kann der Erblasser „einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem ein anderer Erbe geworden ist“.

Typisch ist die Anordnung einer Vor- und Nacherbfolge bei der Regelung der Vermögensnachfolge innerhalb der Familie. Wenn der Erblasser neben der wirtschaftlichen Versorgung seines Ehepartners auch sicherstellen will, dass sein Vermögen am Ende der Tage bei seinen Kindern landet, dann kann er in seinem Testament seinen Ehepartner als Vor- und seine Kinder als Nacherben einsetzen.

Nach dem Tod des Erblassers profitiert dann zunächst der Ehepartner als so genannter Vorerbe von dem Vermögen des Erblassers. Zu einem bestimmten Zeitpunkt, und meist mit dem Ableben des Ehepartners als Vorerben, geht der komplette Nachlass dann an die Kinder als Nacherben.

Formulierung für eine Vor- und Nacherbfolge

Die Formulierung für die Anordnung einer Vor- und Nacherbfolge in einem Testament könnte wie folgt aussehen:

Ich bestimme hiermit meine Ehefrau Eva Muster zu meiner alleinigen Vorerbin.

Nacherben nach dem Tod der Vorerbin sollen meine beiden Kinder Peter Muster und Erika Muster zu gleichen Teilen, ersatzweise deren Abkömmlinge, sein.

Ob und in welchem Umfang der Vorerbe von den gesetzlichen Beschränkungen der §§ 2113 ff. BGB befreit ist, sollte ebenfalls vom Erblasser im Testament festgelegt werden.

Erblasser kann mehrere Nacherbfolgen anordnen

Wenig bekannt ist, dass der Erblasser nicht nur die Möglichkeit hat, eine Nacherbengeneration zu bestimmen, sondern dass mehrere Nacherben hintereinander benannt werden können.

In diesem Fall bestimmt der Erblasser zunächst die Person der oder des Vor- und Nacherben. Gleichzeitig kann er aber auch anordnen, wer nach dem Nacherben den Nachlass erhalten soll.

Beispiel:

Erblasser bestimmt seine Ehefrau zur Vorerbin.

Für den Fall des Ablebens der Ehefrau bestimmt er seine Kinder als Nacherben.

Für den Fall des Ablebens der Kinder bestimmt er seine Enkelkinder als weitere Nacherben.

Eine solche gestufte Nacherbenbestimmung ist rechtlich möglich und wird beispielsweise dann in Frage kommen, wenn der Erblasser seinen Schwiegersohn, bzw. seine Schwiegertochter nicht besonders gut leiden kann und diese von dem Nachlass fernhalten will.

Die Einsetzung eines Nach-Nacherben wird lediglich durch die gesetzliche Vorschrift des § 2109 BGB begrenzt, wonach die Einsetzung eines Nacherben mit dem Ablauf von 30 Jahren nach dem Erbfall grundsätzlich unwirksam wird.

Überlebt in dem oben angeführten Beispielsfall die Ehefrau den Erblasser um mehr als 30 Jahre oder verstirbt das als Nacherbe eingesetzte Kind erst nach einem Zeitraum von 30 Jahren nach dem Erbfall des Erblassers, dann wird die zugunsten des Enkelkindes angeordnete Nacherbfolge grundsätzlich unwirksam.

Ausnahmen von dieser 30-Jahres-Frist können sich allenfalls aus § 2109 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 BGB ergeben.

Das könnte Sie auch interessieren:
Praktische Anwendungsfälle für eine Vor- und Nacherbschaft
Die Vorteile einer Vor- und Nacherbschaft
Der Nießbrauch - Die Alternative zur Vor- und Nacherbschaft
Über 500 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München
Tel.: 089-20 500 855 70

Wir möchten uns sehr bei Ihnen bedanken, dass Sie sich unserer Sache angenommen haben. Wir fühlten uns bei Ihnen in besten Händen!

J.M. aus Holzkirchen

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Ohne die überaus kompetente, freundliche und unkomplizierte Hilfe von Herrn Dr. Weißenfels hätten wir die Regelung unserer Erbschaft in Deutschland und Österreich nicht hinbekommen. Die ganze Familie dankt Ihnen sehr herzlich und kann Ihre Kanzlei nur weiterempfehlen.

E.N. aus Krailling

Ich danke Herrn Dr. Weißenfels von Herzen, dass er nichts unversucht lässt, um die aus einem verunglückten Übergabevertrag resultierenden Nachteile erfolgreich anzufechten.

G.L. aus Wolfratshausen

Super kompetenter Anwalt, sehr erfahren in erbrechtlichen Angelegenheiten, immer gut erreichbar und berät sehr schnell und vor allem verständlich. Ich bin mehr wie zufrieden und kann ihn nur weiterempfehlen.

H.H. aus Nürnberg

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht