Das Erbrecht des Kuckuckskindes – Ist der Erblasser auch rechtlich der Vater?

  • Vater ist, wer zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet war
  • Mögliche Anerkennung der Vaterschaft
  • Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft

Das Erbrecht in Deutschland wird massiv von der Frage beeinflusst, wie eng die verwandtschaftliche Beziehung des Erben zum Erblasser war.

Je näher die Verwandtschaft des Erben zum Erblasser war, desto größer ist im Regelfall der Erb- oder Pflichtteil des Erbberechtigten.

An erster Stelle – neben dem Ehepartner des Erblassers – stehen in der Erbfolge dabei die „Abkömmlinge“ des Erblassers, § 1924 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Zu den Abkömmlingen zählen in erster Linie die Kinder des Erblassers.

In den allermeisten Fällen ist die Frage, wer als Kind des Erblassers erbberechtigt ist, einfach zu klären. Stirbt die Mutter, so ist erbberechtigt jedes Kind, dass die Mutter geboren hat, § 1591 BGB.

Ist der eigene Vater auch erbrechtlich der Vater?

Etwas kniffeliger kann die Frage nach der Erbberechtigung nach dem Tod des Vaters werden.

Die Abstammung – und damit die Erbberechtigung – nach dem Vater knüpft gerade nicht an biologische Vorgänge wie die Zeugung oder die Geburt eines Kindes an.

Der Gesetzgeber hat sich vielmehr dazu entschlossen, die Abstammung anhand verschiedener statusrechtlicher Gesichtspunkte zu klären.

Danach stammt ein Kind nach § 1592 BGB in folgenden Fällen von einem Mann ab:

  • Wenn der Mann mit der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet ist,
  • wenn der Mann die Vaterschaft anerkannt hat, oder
  • wenn die Vaterschaft gerichtlich festgestellt wurde.

Wird die Ehe durch den Tod des Ehemannes aufgelöst, so gilt der Verstorbene trotzdem als Vater des Kindes, wenn dieses innerhalb von 300 Tagen nach dem Tod des Ehemannes geboren wird, § 1593 BGB.

Die Anerkennung einer Vaterschaft wird nur dann wirksam, wenn die Mutter der Anerkennung zustimmt, § 1595 Abs. 1 BGB.

Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft durch Gutachten

Die gerichtliche Feststellung einer Vaterschaft ist nur dann möglich, wenn die Vaterschaft nicht ohnehin aufgrund der Ehe mit der Mutter feststeht oder der Mann seine Vaterschaft bereits anerkannt hat. Weiter setzt eine gerichtliche Feststellung der Vaterschaft voraus, dass der Nachweis gelingt, dass das Kind biologisch vom Vater abstammt.

Der Nachweis der biologischen Abstammung wird regelmäßig durch ein entsprechendes DNA-Gutachten nach §§ 177, 178 FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) erbracht. Der perspektivische Vater ist dabei in der Regel zur Abgabe einer Blutprobe verpflichtet.

Nach dem Tod des möglichen Vaters ist nach der Rechtsprechung auch eine Exhumierung zum Zweck der Feststellung der Vaterschaft möglich (BGH, Beschluss vom 29.10.2014, Az.: XII ZB 20/14).

Hilfsweise kann sich das Kind die Vermutung nach § 1600d Abs. 2, 3 BGB zu Nutze machen, wonach derjenige als Vater vermutet wird, der der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit beigewohnt hat.

Mögliche Anfechtung der Vaterschaft

Gilt ein Kind nach § 1592 Nr. 1 BGB (Ehe zur Zeit der Geburt) oder nach § 1592 Nr. 2 BGB (Anerkennung der Vaterschaft) als vom Vater abstammend – und damit als erbberechtigt –, dann kann an diesem Umstand nur noch eine Anfechtung der Vaterschaft etwas ändern, § 1599 Abs. 1 BGB.

Berechtigt zur Anfechtung einer Vaterschaft sind dabei nach § 1600 Abs. 1 BGB

  • der Mann, dessen Vaterschaft nach § 1592 Nr. 1 und 2 BGB, § 1593 BGB besteht,
  • der Mann, der an Eides statt versichert, der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit beigewohnt zu haben,
  • die Mutter des Kindes und
  • das Kind selber.

Eine Vaterschaft kann dabei nur binnen zwei Jahren gerichtlich angefochten werden.

Diese Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Anfechtungsberechtigte von den Umständen erfährt, die gegen die Vaterschaft sprechen, § 1600b Abs. 1 BGB.

Mit Rechtskraft des Beschlusses über die Anfechtung der Vaterschaft entfällt das gesetzliche Erbrecht des Kindes nach § 1924 BGB … und natürlich auch das Erbrecht des die Anfechtung erklärenden Vaters nach § 1925 BGB.

Im Ergebnis ist es nach den vorstehenden Regeln aber sehr wohl möglich, dass ein Kind nach dem Tod eines Mannes, der gerade nicht sein biologischer Vater ist, Erb- oder Pflichtteilsrechte geltend machen kann.

Das könnte Sie auch interessieren:
Verstorbener darf exhumiert werden, um Abstammung und damit Erbrecht zu klären
Wann erben Kinder und Enkel?
Haben Stiefkinder ein Erbrecht?
Über 500 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München
Tel.: 089-20 500 855 70

Wir möchten uns sehr bei Ihnen bedanken, dass Sie sich unserer Sache angenommen haben. Wir fühlten uns bei Ihnen in besten Händen!

J.M. aus Holzkirchen

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Ohne die überaus kompetente, freundliche und unkomplizierte Hilfe von Herrn Dr. Weißenfels hätten wir die Regelung unserer Erbschaft in Deutschland und Österreich nicht hinbekommen. Die ganze Familie dankt Ihnen sehr herzlich und kann Ihre Kanzlei nur weiterempfehlen.

E.N. aus Krailling

Ich danke Herrn Dr. Weißenfels von Herzen, dass er nichts unversucht lässt, um die aus einem verunglückten Übergabevertrag resultierenden Nachteile erfolgreich anzufechten.

G.L. aus Wolfratshausen

Super kompetenter Anwalt, sehr erfahren in erbrechtlichen Angelegenheiten, immer gut erreichbar und berät sehr schnell und vor allem verständlich. Ich bin mehr wie zufrieden und kann ihn nur weiterempfehlen.

H.H. aus Nürnberg

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht