Was ist ein gesetzlicher Erbe?

  • Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt, wer gesetzlicher Erbe ist
  • Durch ein Testament kann der Erblasser von der gesetzlichen Erbfolge abweichen
  • Ein enterbter gesetzlicher Erbe hat unter Umständen einen Anspruch auf seinen Pflichtteil

Im Zusammenhang mit einem Erbfall wird häufig von einem „gesetzlichen Erben“ gesprochen.

Bei Betroffenen löst diese Formulierung manchmal Verwirrung aus.

Dabei ist der Begriff des „gesetzlichen Erben“ einfach zu erklären. Der gesetzliche Erbe ist diejenige Person, die nach den Vorstellungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) die Erbschaft eines Verstorbenen erhält.

Im BGB gibt es in den §§ 1924 ff. BGB detaillierte Vorschriften über die Frage, wer nach einem Erbfall „gesetzlicher Erbe“ wird.

Gesetzliche Erben sind die Familienmitglieder und Verwandten des Erblassers

Dabei gilt im Prinzip: Nach einem Erbfall werden Familienmitglieder und der/die Ehepartner/in gesetzliche Erben.

Näher mit dem Verstorbenen (auch Erblasser genannt) verwandte Personen schließen bei der gesetzlichen Erbfolge weiter mit dem Erblasser verwandte Personen von der Erbfolge aus, § 1930 BGB.

Das bedeutet, dass beispielsweise Kinder des Erblassers als gesetzliche Erben weiter entfernt Verwandte wie z.B. Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Cousins oder Cousinen von der Erbfolge ausschließen.

Zuerst kommen die Kinder und der Ehepartner des Erblassers an die Reihe

Sind im Zeitpunkt des Erbfalls z.B. Kinder des Erblassers vorhanden, dann erben sie als „gesetzliche Erben“ (neben einem gegebenenfalls vorhandenen Ehepartner) das gesamte Vermögen des Erblassers.

Das Gesetz legt fest, wer „gesetzlicher Erbe“ und damit Rechtsnachfolger des Erblassers wird.

In Anbetracht des Begriffs des „gesetzlichen Erben“ könnte man versucht sein zu überlegen, ob es auch so etwas wie einen ungesetzlichen Erben“ gibt.

Den Begriff des ungesetzlichen Erben“ gibt es in der Terminologie der Juristen jedoch nicht.

Das Gegenteil vom gesetzlichen Erben ist der testamentarische Erbe

Der Gegenpart zum „gesetzlichen Erben“ ist vielmehr der so genannte „testamentarische oder gewillkürte Erbe“.

Das Erbrecht in Deutschland gestattet es dem Erblasser nämlich jederzeit, seine Erbfolge abweichend von der im Gesetz vorgesehenen Erbfolge zu regeln.

In einem Testament kann der Erblasser von der gesetzlichen Erbfolge abweichen

Um sich von den gesetzlichen Erbfolgeregelungen zu lösen, muss der Erblasser lediglich zu Lebzeiten ein wirksames Testament oder einen Erbvertrag errichten.

In einem solchen auch „letzter Wille“ genannten Dokument kann der Erblasser nach Belieben von der im Gesetz vorgesehenen Erbfolge abweichen.

Existiert ein Testament oder ein Erbvertrag und hat der Erblasser dort seine Erben bestimmt, dass erhalten nach dem Eintritt des Erbfalls eben nicht die vom Gesetz vorgesehenen „gesetzlichen Erben“ das Vermögen des Erblassers, sondern vielmehr die im Testament benannten testamentarischen Erben.

Das Testament geht der gesetzlichen Erbfolge vor

Ein Testament geht der gesetzlichen Erbfolge immer vor.

Die testamentarischen Erben können dabei mit den gesetzlichen Erben identisch sein, sie müssen dies aber nicht.

Hat der Erblasser in seinem Testament zum Beispiel festgelegt, dass sein Vermögen nach seinem Tod ein karitativer Verein als alleiniger Erbe erhalten soll, dann gehen die vorhandenen gesetzlichen Erben zunächst einmal leer aus.

Eng mit dem Erblasser verwandte Personen (wie z.B. die Kinder, Enkelkinder und die die Eltern des Erblassers) und der überlebende Ehepartner des Erblassers kann in einem solchen Fall dann allenfalls darüber nachdenken, ob ihnen nicht nach den §§ 2303 ff. BGB das Recht auf einen so genannten Pflichtteil zusteht.

Dieser Pflichtteil soll bestimmten „gesetzlichen Erben“ eine Mindestbeteiligung am Vermögen des Erblassers sichern, selbst wenn sie im Testament von der Erbfolge ausgeschlossen wurden.

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