Wann gibt der Testamentsvollstrecker den Nachlass an den Erben heraus?

Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung durch den Erblasser bringt für den im gleichen Testament eingesetzten Erben eine nachhaltige Einschränkung seiner Erbenrechte mit sich. Insbesondere darf bei angeordneter Testamentsvollstreckung nicht der Erbe, sondern alleine der Testamentsvollstrecker den Nachlass in Besitz nehmen, § 2205 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch).

Ein Erbe, dem der Erblasser einen Testamentsvollstrecker gleichsam vor die Nase gesetzt hat, hat im Regelfall zunächst keinen Zugriff auf einzelne Nachlassgegenstände. Im Extremfall und bei Anordnung einer so genannten Dauervollstreckung kann der Erblasser sogar dafür sorgen, dass sich an diesem Umstand für einen Zeitraum von dreißig Jahren nach Eintritt des Erbfalls auch nichts ändert, §§ 2209, 2210 BGB.

Im Angesicht solch trüber Aussichten ist es ist für den Erben umso wichtiger festzustellen, wann der Testamentsvollstrecker verpflichtet ist, den Nachlass an ihn als Erben wieder herauszugeben.

Es gibt mehrere Umstände, die einen Testamentsvollstrecker zur Herausgabe der von ihm verwalteten Nachlassgegenstände verpflichten können. Zum einen muss der Testamentsvollstrecker den Nachlass nach Beendigung seines Amtes herausgeben. Zum anderen kann der Erbe vom Erblasser aber auch schon vor diesem Zeitpunkt die Herausgabe von Nachlassgegenständen verlangen, wenn der Vollstrecker diese „zur Erfüllung seiner Obliegenheiten offenbar nicht mehr bedarf“. Schließlich kann der Erbe im Austausch für die Herausgabe von Nachlassgegenständen Sicherheit leisten.

Herausgabe des Nachlasses nach Beendigung des Amtes

Nach §§ 2218 i.V.m. 667 BGB hat der Testamentsvollstrecker nach Beendigung seines Amtes den kompletten Nachlass an den Erben herauszugeben. Von der Herausgabepflicht umfasst sind auch etwaige Surrogate, die der Vollstrecker im Zuge seiner Tätigkeit mit Nachlassmitteln erworben hat.

Auch alle Unterlagen, die seine Amtsführung betreffen, hat der Testamentsvollstrecker zu diesem Zeitpunkt an den Erben zu übergeben.

Über den Bestand des Nachlasses hat der Testamentsvollstrecker ein Verzeichnis anzufertigen und die Richtigkeit und Vollständigkeit dieses Verzeichnisses gegebenenfalls an Eides statt zu versichern.

Vorzeitige Herausgabe von Nachlassgegenständen

Will der Erbe nicht bis zur Beendigung der Testamentsvollstreckung warten, um zumindest Teile des Nachlasses in Besitz zu nehmen, dann muss er sich mit § 2217 BGB näher beschäftigen.

Nach dieser gesetzlichen Norm kann er vom Testamentsvollstrecker einzelne Nachlassgegenstände herausverlangen, wenn der Vollstrecker diese „zur Erfüllung seiner Obliegenheiten offenbar nicht mehr bedarf“.

Soweit der Testamentsvollstrecker einen konkreten Nachlassgegenstand demnach noch benötigt, um zum Beispiel ein Vermächtnis oder eine Auflage zu erfüllen oder wenn der Testamentsvollstrecker den Gegenstand gegebenenfalls veräußern muss, um seinen steuerlichen Pflichten nachkommen zu können, dann fällt ein Herausgabeanspruch für den Erben nach § 2217 Abs. 1 BGB aus.

§ 2217 Abs. 2 BGB eröffnet dem Erben einen weiteren Herausgabeanspruch. Sofern der Erbe bereit ist, für bestehende – und vom Testamentsvollstrecker zu erledigende – Nachlassverbindlichkeiten Sicherheit im Sinne von §§ 232 ff. BGB zu leisten, dann kann er einzelne Nachlassgegenstände beim Testamentsvollstrecker loseisen. Grundlegende Voraussetzung ist allerdings, dass die Nachlassverbindlichkeiten nicht in einem Vermächtnis oder einer Auflage bestehen dürfen.

Freiwillige Herausgabe durch den Testamentsvollstrecker

Schließlich kann der Testamentsvollstrecker auch auf freiwilliger Basis Nachlassgegenstände an den Erben herausgeben. Sofern sich Erbe und Testamentsvollstrecker einig sind, kann der Vollstrecker demnach auch Nachlassgegenstände vor Beendigung seines Amtes an den Erben übergeben.

Einen Rechtsanspruch auf Herausgabe kann der Erbe aber nur unter den Voraussetzungen der §§ 2217 und 2218 BGB gegen den Testamentsvollstrecker geltend machen.

Das könnte Sie auch interessieren:
Die ersten Maßnahmen und Pflichten des Testamentsvollstreckers
Der Testamentsvollstrecker wird Besitzer der Erbschaft
Der Testamentsvollstrecker ist dem Erben gegenüber zur Auskunft verpflichtet
Über 500 aktuelle Entscheidungen der Gerichte zum Erbrecht

Anwalt für Erbrecht
Rechtsanwalt Dr. Georg Weißenfels
Gründer des Erbrecht-Ratgebers
Maximilianstraße 2
80539 München
Tel.: 089-20 500 855 70

Wir möchten uns sehr bei Ihnen bedanken, dass Sie sich unserer Sache angenommen haben. Wir fühlten uns bei Ihnen in besten Händen!

J.M. aus Holzkirchen

Wir verdanken Herrn Dr. Weißenfels ein für alle Seiten positives Ende eines außergerichtlichen Vergleiches, zu dem es ohne seine Taktik und seine starke Positionierung der Fakten nie gekommen wäre. Wir würden Herrn Dr. Weißenfels mit seiner speziellen Kompetenz in Erbsachen jedem guten Freund weiter empfehlen.

D.K. aus Augsburg

Ich möchte mich recht herzlich für die erfolgreiche kompetente Unterstützung und sehr angenehme und schnelle Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken. Ich kann Sie an "ALLE Unwissenden in Sachen Erbe" mit gutem (bestem) Gewissen weiterempfehlen.

E.R. aus Teneriffa, Spanien

Ohne die überaus kompetente, freundliche und unkomplizierte Hilfe von Herrn Dr. Weißenfels hätten wir die Regelung unserer Erbschaft in Deutschland und Österreich nicht hinbekommen. Die ganze Familie dankt Ihnen sehr herzlich und kann Ihre Kanzlei nur weiterempfehlen.

E.N. aus Krailling

Ich danke Herrn Dr. Weißenfels von Herzen, dass er nichts unversucht lässt, um die aus einem verunglückten Übergabevertrag resultierenden Nachteile erfolgreich anzufechten.

G.L. aus Wolfratshausen

Super kompetenter Anwalt, sehr erfahren in erbrechtlichen Angelegenheiten, immer gut erreichbar und berät sehr schnell und vor allem verständlich. Ich bin mehr wie zufrieden und kann ihn nur weiterempfehlen.

H.H. aus Nürnberg

Hier ist man in guten Händen und die Beratung ist exzellent. Ein ehrlicher Anwalt!

M.P. aus München

Wir waren mit der Beratung äußerst zufrieden - Exzellent formulierte Schriftsätze - Zuverlässig in der Kommunikation. Die Ratschläge haben uns sehr weitergeholfen.

U. und F. C. aus München

Erbrecht