Im Testament ein Vermächtnis anordnen - Was ist zu bedenken?

Mit einem Vermächtnis kann der Erblasser einem Dritten für den Erbfall einen Vermögensvorteil zukommen lassen. Tritt der Erbfall ein, so hat der so genannte Vermächtnisnehmer meist gegen den Erben einen notfalls einklagbaren Anspruch auf Erfüllung der Vermächtnisses. Der Vermächtnisnehmer wird nicht Erbe.

Durch ein Vermächtnis kann der Erblasser dem Vermächtnisnehmer einen Anspruch auf einen bestimmten Geldbetrag, eine bestimmte Sache oder auch beispielsweise ein Recht zur Nutzung einer Immobilie verschaffen.

Im Testament sieht die Anordnung eines Vermächtnisses folgendermaßen aus:

Mein Bruder Bernd erhält vermächtnishalber einen Betrag in Höhe von 5.000 Euro.

oder

Meine Schwester Ute erhält als Vermächtnis den Zobel-Pelzmantel meiner verstorbenen Frau.

oder

Meine Ehefrau Eva erhält als Vermächtnis ein lebenslanges Wohnrecht nach § 1093 BGB an der Wohnung in München, Grünwalder Straße 18, unter Ausschluss des Eigentümers der Wohnung.

Welchen Vermögensvorteil der Erblasser dem oder der Dritten durch ein Vermächtnis verschaffen will, bleibt ihm überlassen. Der Phantasie sind hier (fast) keine Grenzen gesetzt.

Will man in sein Testament ein Vermächtnis aufnehmen, dann sollte man gedanklich folgende Punkte durchgehen und gegebenenfalls im Testament regeln:

Wer ist mit dem Testament beschwert?

Soll nur ein Erbe oder mehrere Erben zu gleichen Teilen mit dem Vermächtnis beschwert sein. Möglich ist auch, einen anderen Vermächtnisnehmer als diejenige Person zu benennen, die die Erfüllung des Vermächtnisses schuldet.

Wer soll Begünstigter des Vermächtnisses sein?

Soll nur ein Vermächtnisnehmer eingesetzt werden oder sollen mehrere Vermächtnisnehmer ein Forderungsrecht erwerben?

Was soll geschehen, wenn der Vermächtnisnehmer vor dem Erblasser verstirbt? Soll ein Ersatzvermächtnisnehmer benannt werden, der für diesen Fall einspringt?

Wann soll das Vermächtnis fällig sein?

Die Fälligkeit entscheidet darüber, wann der Vermächtnisnehmer sein Vermächtnis vom Erben fordern kann. Soll der Erbe eine "Schonzeit" von ein paar Wochen oder Monaten erhalten? Wenn im Testament nichts Abweichendes geregelt wird, ist das Vermächtnis sofort mit dem Erbfall fällig.

Was soll gelten, wenn der vermachte Gegenstand zum Erbfall nicht mehr im Nachlass ist?

Soll der Erbe verpflichtet sein, für Ersatz zu sorgen oder einen Ausgleich in Geld zu zahlen?

Soll ein Geldvermächtnis bis zum Erbfall betragsmäßig unverändert bleiben?

Ein Geldvermächtnis kann durch Inflation in dem Zeitraum von Testamentserstellung bis zum Erbfall entwertet werden. Soll hier eine Wertsicherungsklausel den Wert des Vermächtnisses schützen?

Andererseits kann sich das Erblasservermögen nach Testamentserrichtung negativ verändern. Soll das Testament in diesem Fall betragsmäßig nach unten angepasst werden?

Wer soll sich um die Erfüllung des Vermächtnisses kümmern?

Der Erblasser kann einen Dritten bevollmächtigen, für die Erfüllung des Vermächtnisses zu sorgen oder diese Aufgabe einem Testamentsvollstrecker übertragen.

Wer soll die Kosten für die Erfüllung des Vermächtnisses tragen?

Ist Gegenstand des Vermächtnisses beispielsweise ein Wohnungsrecht, das in das Grundbuch eingetragen werden muss, so entstehen bei der Eintragung Kosten. Der Erblasser kann verfügen, dass diese Kosten der erbe zu übernehmen hat.

Wer soll die Erbschaftsteuer auf das Vermächtnis bezahlen?

Auch ein Vermächtnis unterliegt der Erbschaftsteuerpflicht. Soll der Vermächtnisnehmer die Steuer zahlen oder soll damit der Erbe belastet werden?

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